Farbige Lehmputze im Bad


Badgestaltung: Der Klimapuffer an Wand und Decke


Eine der wohl häufigsten technischen Fragen, die sich zum Thema farbige Lehmputzen stellt, ist, ob es möglich ist auch die Wände häuslicher Bäder mit Lehm zu gestalten. Grundsätzlich geben wir hier die Antwort: Ja, es ist möglich, die Wandflächen im Bad mit farbigen Lehmputzen zu verschönern! Es ist sogar empfehlenswert, Produkte wie den Lehm-Spachtelputz Capriccio® von LESANDO® als Wandbeschichtung für Bäder zu wählen. Allerdings darf Lehmputz nicht im Spritzwasserbereich eingesetzt werden. 



Deshalb sind besonders in Bädern zwei Kriterien zu beachten: Zunächst ist das Bad ein Bereich, der in gestalterischer Hinsicht besondere Sensibilität verlangt, weil hier die Wandflächen mit anderen Materialien und Oberflächen (Fliesen, Keramik von Waschbecken, Badewanne etc.) - technisch wie optisch – korrespondieren. Zum anderen sind häusliche Bäder diejenigen Räume, in denen Hygiene und Raumklima besonders zu beachten sind. Lehmputz zeigt v.a. im Bad seine raumklimatische Stärke: Hier fällt z.B. beim Duschen sehr schnell Wasserdampf in so großen Mengen an, dass er nicht sofort durch Belüftung abgeführt werden kann. Abhängig von der Raumtemperatur und der Temperatur der Wandflächen selbst, kondensiert der Wasserdampf in der Folge häufig an den Wandflächen; er schlägt sich als "Tröpfchen" nieder. Der Effekt ist vor allem in solchen Bädern zu beobachten, deren Wände vollflächig gefliest sind. Bekanntermaßen ist dieser "Niederschlag" an Badezimmer-Wänden einer der Faktoren, der die Schimmelbildung in Bädern begünstigt. Bei Wandflächen, die mit farbigen Lehmputzen beschichtet sind, entsteht dieser Niederschlag nicht. Die "schockartige" Erhöhung der Luftfeuchtigkeit beim Duschen im Bad ist für Lehmputz-Wände kein Problem. Ein "Niederschlag" auf der Wandoberfläche entsteht nicht. Der beim Duschen auftretende Wasserdampf wird von der Lehmputzfläche selbst aufgenommen und verbleibt dort solange, bis die Luftfeuchtigkeit im Raum wieder abnimmt. Der Lehmputz gibt dann die Feuchtigkeit wieder an den Raum ab…

Lehm hat die bekannte Eigenschaft, sehr viel Feuchtigkeit aufnehmen zu können. Er zeigt sich hier gegenüber anderen Baumaterialien deutlich überlegen: Entscheidend ist dabei die Geschwindigkeit („Reaktionszeit“), mit der besagte Feuchtigkeit aufgenommen wird. Und diese Reaktionszeit ist in weit größerem Maße abhängig von der beschichteten Fläche und nicht – wie vielfach angenommen wird – von der Schichtstärke. Mehr als 80 % der Feuchtigkeit wird zunächst in den oberen zwei Millimetern gebunden. Und lediglich 10 mm sind bei „normalem Wohnverhalten“ für die „Klimapuffer-Wirkung“ überhaupt relevant. Unsere Beobachtungen haben gezeigt, dass selbst in relativ kleinen Bädern (Beispiel hier ca. 9 m²) Spiegel nicht mehr beschlagen, wenn Wände und Decke – mit Ausnahme des direkten Spritzwasserbereichs - mit ca. 2 mm Lehmputz an der Oberfläche beschichtet sind.

Das vorgestellte Projekt beschreibt die Untergrundvorbereitung zum Zweck der Rissarmierung und die Wandgestaltung eines im Neubau der Familie Bickel im unterfränkischen Morlesau. Das Haus selbst wurde als Niedrigenergie-Haus (KfW 60 –Standard) vom Architekten und Baubiologen Michael Kirchner nach baubiologischem Gesamtkonzept geplant. So wurden zum Beispiel nur Baustoffe mit Volldeklaration verwendet, elektrische Leitungen wurden abgeschirmt… Insgesamt wurde in Holzständerbauweise gebaut. Die Trockenbauwände im ersten OG wurden doppelt mit Gipsfaserplatten beplankt. Im Bad selbst wurden Feuchtraumplatten aus Gipskarton montiert.

Die Untergrundvorbereitung: Lehmkleber und Variovlies als Alternative zur Gewebespachtelung
Ein klassisches Problem in Häusern mit Holzständerbauweise sind umlaufende Putzrisse in den Raumecken bzw. an den Stoßfugen der Plattenwerkstoffe. Diese Risse entstehen im Laufe der Zeit durch sich verwindende Konstruktionsteile (z.B. Holzbalken). Sie sind daher keine Risse, die auf die Beschichtung (Lehmputz o.ä.) oder deren Trocknung zurückzuführen sind! Um die Rissgefahr – bedingt durch sich noch bewegende Bauteile – zu minimieren, empfahlen wir den Bauherren – als Alternative zur Gewebespachtelung mit konventionellen, kunststoffbewährten Putzen den Untergrund mit einem diffusionsoffenen Glasfaser-Vlies zu armieren.

Profondo® wird entweder in zwei Arbeitsgängen aufgerollt oder mit der Zahnspachtel in einem Arbeitsgang aufgezogen. Das Vlies selbst wird mit dem Lehmkleber Profondo® direkt auf die verspachtelten Trockenbauplatten aufgeklebt und schließlich mit der Putzgrundierung Preludio® grundiert.








Die Wandgestaltung
Anfangs noch motiviert bei der Wandgestaltung im Bad selbst Hand anzulegen, entschied sich Familie Bickel dafür, die Capriccio® - Lehm-Spachtelputz-Wände doch vom Fachhandwerker gestalten zu lassen. Schließlich gab es im Haus insgesamt noch genug zu tun und so verlegte man sich mit den Gewerken der Eigenleistung auf das Streichen der Wohnräume mit Lehmfarbe. Das Bad insgesamt sollte im mediterranen Stil gestaltet werden. Weil im Bad im Verhältnis zur Raumgröße (nur 9 m²) durch Duschen und Baden vergleichweise viel Feuchtigkeit anfällt, war es der Wunsch der Bauherren möglichst wenig Wandfläche mit Fliesen zu "versiegeln". Um der auftretenden Feuchtigkeit möglichst viel "reaktive" Wand-Oberfläche zu bieten, sollte gerade auch die Decke mit Lehm-Spachtelputz beschichtet werden. Die Gestaltung von Wänden und Decke sollte harmonieren mit den handgefertigten Terracotta-Fliesen am Boden und an den Wänden. Deshalb wählten die Bauherren den Lehmspachtelputz Capriccio® in der Verarbeitungstechnik "geglättet". Die Oberfläche hier wird ausschließlich durch die Handhabung des Venezianischen Glätters bestimmt und hinterlässt dezente Spuren des Gestalters ohne jedoch "rustikal" zu wirken. Damit trägt diese Variante sowohl der geringen Raumgröße als auch dem Anspruch nach Individualität Rechnung und verbindet gleichzeitig optisch die glatten Emailleoberflächen von Badewanne, Waschbecken und Duschwanne mit den Terracotta-Fliesen.





Der richtige Farbton: Die Qual der Wahl
LESANDO® bietet Farbkonzepte aus über 500 fertig gemischten Farbtönen an. Da fällt die Auswahl schwer. Das Farbkonzept im Bad der Familie Bickel sah vor, die Wände im Capriccio® Farbton Nr. 19 und die Decke zweifarbig in den Farbtönen Nr. 19 und Nr. 15 zu gestalten. Mit dieser gewolkten Gestaltung der Decke sollte ursprünglich die Fläche selbst optisch "aufgelöst" werden. Es bestand aufgrund der schräg abfallenden Deckenfläche die Gefahr, dass eine farbig gestaltete Decke drückend wirken würde… Die mit Capriccio® im Toskana-Stil gestaltete Decke wirkte zwar frisch, offen und freundlich, dennoch entscheiden sich die Bauherren dafür, die Decke nochmals in neutralem Weiß mit der Lehmfarbe Bravo® (Farbton "Scala") überarbeiten zu lassen, um den Raum heller wirken zu lassen. Der raumklimatischen Wirkung des Lehmspachtelputz an der Decke schadet dieses Vorgehen nicht, denn die Lehmfarbe selbst ist genauso diffusionsoffen, wie die Lehmputze.



                     Detailaufnahme von Übergang Decke und Wand



In den runden Laibungen wurde der Lehmputz ausgespart. Stattdessen wurde die Putzgrundierung Preludio® zweilagig mit der Lasurbürste aufgetragen.



Info:* System in Lehm

LESANDO® Dekorsysteme und die Produkte zur passenden Untergrundvorbereitung erlauben den Einsatz von Lehmputzen gerade auch auf konventionellen Untergründen. Selbst für die Rissarmierung im Trockenbau, hier dargestellt an der Gestaltung eines häuslichen Bades, liefert der Hersteller aus Unterfranken mit dem Lehmkleber Profondo für Vliestapeten eine Systemlösung in Lehm.

Arbeitsschritte Untergrundvorbereitung (ab Trockenbau):
1. erster Anstrich Lehmkleber Profondo: 4 min.
2. zweiter Anstrich Lehmkleber Profondo: 4 min.
3. Verlegen Variovlies: 3 min.
4. Anstrich Putzgrundierung Preludio® : 4 min.

Arbeitsschritte Gestaltung:
1. erste Lage Lehmspachtelputz Capriccio® aufglätten: 8 min.
2. zweite Lage Lehmspachtelputz Capriccio® aufglätten: 7 min.

*Alle Angaben verstehen sich ohne Rüstzeiten, Abkleben, Gerüstauf- und abbau usw.

Quelle:Lesando